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Mafia II

Mafia II

Das Amerika der Nachkriegszeit: Das organisierte Verbrechen treibt wilde Blüten, Mafiabanden kämpfen um die Macht, und ein Kleinganove namens Vito Scaletta träumt von Ehre und schnellen Autos Xbox 360, PS3, PC | Getestet Xbox 360 | Entwickler & Publisher 2K | Termin 27. August 2010 | Preis 45-60 Euro | USK 18 | Spieler 1 Mafia … ein Wort, das für Mord und Korruption steht, für den Handel mit Waffen und Drogen, für Menschenverachtung und Angst. Ein Wort aber auch, das Aufregung und Abenteuer verspricht, wenn es in einem Atemzug mit Literatur, Film oder Vi­deospiel genannt wird. Der auf dem Bestseller von Mario Puzo basierende Film „Der Pate“ von Francis Ford Coppola gilt als eines der kunstvollsten Werke der Filmgeschichte. Auch „Goodfellas“ von Martin Scorsese, ein Film, der die wahre Geschichte des Mafia-Aussteigers Henry Hill nacherzählt, wird von Cineasten verehrt. Und es gibt nur wenige Videospiel-Reihen, die Qualität auf einem so hohem Niveau abliefern wie „Grand Theft Auto“ – eine Serie, deren Helden sich entlang der Strukturen des organisierten Verbrechens vom Kleinganoven zum Übergangster hochdienen. Auch das vom tschechischen Studio Illusion Softworks produzierte „Mafia“ aus dem Jahre 2002 folgte dieser Rezeptur und orientierte sich in Geschichte und Gameplay am Vorbild „GTA“. Der Spieler wurde darin in die dreißiger Jahre zurückversetzt, in die Zeit von Al Capone und Prohibition. „Mafia II“ wiederum, das vom selben, mittlerweile in 2K Czech umbenannten Team entwickelt wurde, widmet sich dem Zeitraum von 1943 bis 1955: Der Kriegsheimkehrer Vito Scaletta wird im verschneiten Empire Bay – eine Hommage an New York – von seiner Mutter und seiner Schwester herzlich empfangen, muss jedoch erfahren, dass sein verstorbener Vater der Einwandererfamilie einen Schuldenberg von 2000 Dollar hinterlassen hat.

Die Gier nach Reichtum treibt Vito die Karriereleiter der Mafia hinauf

Auch wenn seine Mutter ihn anfleht, einen Job als Lagerarbeiter in den Hafendocks anzunehmen, weiß Vito: Diese Schulden lassen sich nicht durch Kistenschleppen begleichen. Sein Freund Joe muss ihn daher nicht lange überreden, als er ihm vorschlägt, es mit Autodiebstählen für den alten Mike Bruski zu versuchen, der am Rande der Stadt einen Schrottplatz besitzt. Eines führt zum anderen, und schon bald macht Vito, der jeden Drecksjob ohne Gewissensbisse – aber dafür mit umso mehr Gewissenhaftigkeit – ausführt, Bekanntschaft mit den Größen der städtischen Unterwelt. Die Gier nach Reichtum und Anerkennung treibt Vito und Joe die Karriereleiter der italienischen Mafia hinauf, und beide genießen ihren neuen Lebenswandel, die schnellen Autos, das gute Essen und die Frauen. Und dann ist er ganz plötzlich da: der große Coup, bei dem alles schief geht, was schief gehen kann. Wie jedes andere auf dem „GTA“-Prinzip basierende Spiel stilisiert auch „Mafia II“ die Großstadt zum Ort der unendlichen Möglichkeiten. Vito kann jedes Auto in Besitz nehmen – mit Gewalt oder durch ein einfaches Schlossknack-Minispiel – und damit durch die Viertel von Empire Bay cruisen, über holprige Landstraßen oder den Highway jagen und dabei versuchen, die Polizei abzuhängen, die ihm wegen Geschwindigkeitsüberschreitung mit heulenden Sirenen auf den Fersen ist. Im Radio läuft währenddessen der „Mambo Italiano“, gesungen von Rosemary Clooney, John Lee Hookers „Boom Boom“ oder „Rock Around The Clock“ von Bill Haley. Wechselt Vito den Sender, kann es vorkommen, dass ein DJ sich über eine neue Erfindung namens Videoaufnahmegerät amüsiert oder ganz aufgeregt von einem spektakulären Juwelenraub erzählt, über den Vito noch viel mehr erzählen könnte. Das schmeichelt der Gangsterseele. Noch authentischer wirkt die Welt von „Mafia II“ jedoch, wenn Vito den Wagen stehen lässt und sich zu Fuß auf den Weg macht. Dann lädt Empire Bay dazu ein, jeden Winkel zu erkunden: die kleinen Läden und Gassen von Little Italy und Chinatown, das Industriegebiet oder die Heile-Welt-Idylle des bürgerlichen Viertels, in dem sich Vito im späteren Spielverlauf ein Haus kauft. Die Inneneinrichtung und das Dekor jedes Gebäudes, jeder Fabrikhalle und jedes Hinterzimmers, in das Vito seinen Fuß setzt, ist bis zum kleinsten Fetzen Papier, der irgendwo auf dem Boden liegt, bis zum letzten Nagel, der aus einer Wand ragt, penibel ausgestaltet. Es grenzt an Verschwendung, wenn Vito während einer Schießerei mit den chinesischen Triaden durch ein komplett eingerichtetes Tätowierstudio oder eine von Lichtspielen durchwebte Opiumhöhle hastet und man das alles nur im Vorüber­eilen wahrnimmt. Der Aufwand, mit dem in „Mafia II“ die vergangene Ära heraufbeschworen wird, ist vergleichbar mit der Akribie der Fernsehserie „Mad Men“ oder Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“. Und im Unterschied zu „Grand Theft Auto IV“ ist „Mafia II“ keine Satire. Das Spiel nimmt die Epoche, in die es den Spieler versetzen will, jederzeit ernst. Doch wer lebt hinter den Fassaden von Empire Bay? Die Passanten in den Straßen sind zwar alle ihrer Zeit entsprechend gekleidet, reden kann man mit ihnen jedoch nicht. Nur wenn Vito sie versehentlich mit dem Auto anfährt oder mit einem von ihnen eine Schlägerei anfängt, erheben sie ihre Stimme. Genau wie die schönen Autos und komplett eingerichteten Wohnungen sind auch sie nur Staffage (siehe dazu auch die Kolumne auf Seite 94). Und wie steht es mit Vito Scaletta? Auch hinter seiner Fassade – einem Amalgam aus jedem aufstrebenden Mafioso der Filmgeschichte – blitzt nur selten ein Funken Persönlichkeit auf. Das Problem: In „Mafia II“ gibt es keine Nebenmissionen. In Spielen wie „GTA IV“ warten überall Zufallsbekanntschaften auf den Helden, die ihn mit ihren Problemen behelligen, in Gespräche und Beziehungen verstricken und dadurch etwas über die Welt, ihre Bewohner und über den Helden selbst verraten. Ohne solche Begegnungen und ohne Dialoge, die sich über Hollywood-Versatzstücke hinauswagen, bleibt Vito Scaletta eine Schattengestalt, die dem Umriss im „Mafia II“-Logo nicht unähnlich ist.

„Mafia II“ nimmt die Epoche, in die es den Spieler versetzt, jederzeit ernst

Dass man als Spieler dennoch mit Vito mitfiebert, liegt an den mit viel Gefühl für Rhythmus und Kadenz orchestrierten Schusswechseln, die er sich mit der Polizei und den Anhängern anderer Mafia-Familien liefert. Auch wenn das Autofahren in „Mafia II“ Spaß macht und sich die Faustkämpfe dank einer guten Buttonbelegung sehr natürlich anfühlen, sind es diese Schießereien, die das Herz zum Klopfen bringen. Wenn Vito und Joe sich in einer Kneipe mit Kleinganoven duellieren, zerbersten Bierhumpen und Whiskeyflaschen, Barhocker zersplittern zu Kleinholz. An anderer Stelle müssen die zwei sich in einem Luxushotel den Weg freischießen und machen mit TNT und Maschinengewehrsalven ein ganzes Stockwerk zur Ruine. Dabei gibt Vito in seinem maßgeschneiderten Anzug jederzeit eine gute Figur ab. Wenn er aus der Deckung eines nach und nach wegbröckelnden Betonpfeilers heraus zwei im Gegenlicht nur als Silhouetten wahrnehmbare Gangster aus dem Verkehr zieht, sich danach mit wehendem Schlips elegant wegdreht und dabei seinen Fedorahut in die Stirn drückt, gibt es dafür nur ein Wort: cool. Und noch aus einem weiteren Grund berührt uns das Schicksal des Vito Scaletta: Seine Sehnsucht nach Reichtum, Macht und Respekt ist auch die unsere. Zugleich bestätigen sein Straucheln und die Rückschläge, die er im Spiel erleidet, die beruhigende Binsenweisheit vom Verbrechen, das sich nicht lohnt: Der Mafioso als tragische, seine Begierden rücksichtslos auslebende und dadurch zum Untergang verdammte Figur steht für unsere eigenen, widersprüchlichen Bedürfnisse. Wir schwanken angesichts solcher Figuren zwischen Bewunderung und Verachtung, und das – wie in „Mafia II“ – häufig von einem Augenblick zum nächsten. Fazit Der Aufwand, der in „Mafia II“ betrieben wird, um den Spieler in eine verflossene Zeit zurückzuversetzen, ist beeindruckend. Dennoch überzeugt das Spiel eher als Shooter denn als offene Spielwelt. Für Freunde von: „Grand Theft Auto IV“, „Scarface“, Martin Scorsese Jetzt im GEE-Shop bestellen [nggallery id=33]
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von Christian / August 27th, 2010 / 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Tobias sagt:

    Spätestens seit der Demo freu ich mich wie bescheuert auf das Spiel: Mafia II ist wie für mich gemacht. Ich hab sehr gern GTA IV gespielt, für mich war aber (im Gegensatz zu den Machern) die Story die Hauptattraktion und nicht die Stadt. Ich hab nie die Sandbox selbst genossen, sondern die theoretische Möglichkeit, alles mögliche tun zu können – wirklich gemacht hab ich das nie.