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Schuss-Wechsel

Dürfen Abgeordnete im Parlament Egoshooter spielen? Nach langen Diskussionen fand Ende Februar der erste Politiker-Lan des Deutschen Bundestags statt. Ortstermin bei einem Flirtversuch zwischen Spiele-Industrie und Politik, einer Berührung nicht ohne Ängste.

Kleine Krater in der Wand. Ihre Ecken ausgefranst, zersplittert. Sonst ist der Untergrund glatt und kühl. Die Einschuss-löcher durchziehen den beigefarbenen Stein in geschwungenen Linien, bieten einen merkwürdigen Kontrast zu dem von künstlichem Licht durchfluteten Gang, den verglasten Elementen, die den Eingangsbereich des Reichstagsgebäudes von anderen Fluren trennen. Fast siebzig Jahre ist es her, dass russische MGs diese Narben in den Putz des Höchsten Hauses Deutschlands geschlagen haben. Drei Etagen höher hallt heute Abend erneut das Knattern von MG-Feuer von den Wänden wider.

In die Schüsse mischen sich Rufe: „Alles voller Smoke, ich seh nix“ und „Schön, Benno, los, los, los“. Am Ende ein gebrülltes „Bombe down“. Einer der Kämpfer sackt im Kugelhagel zusammen. Die elegant gekleidete Dame im türkisfarbenen Sakko, die ihn schon eine ganze Weile beobachtet hat, tritt näher. Sie schaut über die Schulter im dunkelblauen Polohemd, hinein in den Bildschirm auf das digitale Bild eines Mannes, der gerade das Zeitliche gesegnet hat – und auf die Zahlenreihen, die kurz darauf über seinem kantigen Leichnam erscheinen. Am großen Tisch neben dem Rechner wird gelacht. Der Spieler des „Counter-Strike“-Clans n!faculty, der sich gerade noch geschlagen geben musste, lacht mit und lädt die nächste Karte. „Ich wusste gar nicht, dass es dafür eine Bundesliga gibt“, sagt die Frau in Türkis. Auf ihrem Gesicht zeichnet sich ein Lächeln ab. Aber dann wendet sich die ehemalige Justizministerin Brigitte Zypries schon wieder ab und steuert auf die andere Seite des Raumes zu. Dort schwingen in Weiß gewandete Menschen die Arme, Fernbedienungen in ihren Händen. Auf einem Bildschirm tun es ihnen in Weiß gewandete Sportler mit Tennisschlägern gleich. An diesem Abend findet die erste Politiker-Lan im Deutschen Bundestag statt. Auf der Fraktionsebene, unterhalb der gläsernen Kuppel des Reichstagsgebäudes, sollen Politiker aller Parteien einen direkten Kontakt zum Medium Videospiel bekommen – und zwar in all seinen Facetten. Erdacht haben die Aktion drei Abgeordnete: Jimmy Schulz und Manuel Höferlin von der FDP und Dorothee Bär von der CSU. Konservative, wie der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion Hans-Peter Uhl zum Beispiel, sträubten sich im Vorfeld gegen den Gedanken, dass nun auch im Reichstag virtuell geschossen werden soll. Und das Aktionsbündnis Winnenden, das von betroffenen Eltern des Amoklaufs von 2009 gegründet wurde, mahnte: Es sei eine Verhöhnung der Hinterbliebenen, wenn Politiker lernen würden, wie man virtuell tötet. Aller Kritik zum Trotz wummert nun doch der Bass aus der Box der „Just Dance 2“-Konsole, er mischt sich mit dem Röhren der Motoren aus der „Gran Turismo 5“-Box und dem „Counter-Strike“-Gewehrlärm zu einem ohrenbetäubenden Crescendo. Vor dem Fraktionssaal der FDP stehen sich in zwei Reihen Gaming-Laptops gegenüber, die beiden professionellen Teams ESC Gaming und n!faculty liefern sich Gefechte in „Counter-Strike 1.6“.

Unschuldiges Weiß auf Grau „Eigentlich nicht mein Spiel“, sagt Alexander Keller lächelnd. Auf Turnieren spielt er nur „Counter-Strike: Source“. Für Keller ist es ein Unterschied von Welten. In den Ohren der meisten Besucher an diesem Abend ist es nur ein englisches Wörtchen, das hinter diesem Spiele-Namen hängt, den sie aus der Zeitung kennen. Während der 25-Jährige sich zurücklehnt und auf die nächsten Ab-geordneten wartet, ist nun Brigitte Zypries gegenüber in den Nahkampf verwickelt. „Wir müssen wissen, wie das Leben funktioniert, damit wir das Leben regeln können“, sagt sie, während eine Traube von Journalisten, Fotografen und Kameramännern sie umringt. „Counter-Strike“ finde sie eher langweilig, sagt die SPD-Politikerin in ein Mikrofon, aber mit der Wii habe sie schon einmal gespielt. Dann schwingt sie wieder den Move-Controller, schlägt virtuelle Bälle über das Netz, während das Klicken der Fotoapparate von den Wänden hallt. Für Alexander Keller ist es eine Herzensangelegenheit, hier zu sein. Seit fünf Uhr am Nachmittag hat er gemeinsam mit seinen Teamkollegen den Stand aufgebaut, eine Stunde später den ersten Abgeordneten die Steuerung seines Shooters erklärt. „Es nervt einfach, diese ständige Killerspiel-Diskussion“, sagt Alexander, „es war klar, dass wir hermussten, um das richtigzustellen.“ Aber er schaut nicht drein wie einer, der jetzt endlich die große Chance bekommt, alles klarzustellen. Alexander Keller blickt sich in der Menge um. Ein Großteil der Leute, die heute herkommen würden, seien ohnehin dem Thema gegenüber aufgeschlossen, meint er. „Na ja, Volker Kauder war zwar schon hier und hat sich das Spiel erklären lassen.“ Sein Lieblingsgegner heute wäre von Guttenberg. Aber der hat wohl gerade wenig Zeit. Dafür kommt jetzt Burkhardt Müller-Sönksen auf ihn zu und setzt sich. Müller-Sönksen ist für die FDP im Bundestag und war mal stellvertretender Landesvorsitzender in Hamburg. Heute ist er immerhin medienpolitischer Sprecher der Fraktion. „Wir kämpfen gegen die Terroristen“, sagt der ESL-Spieler. „Ach, tatsächlich“, sagt Müller-Sönksen. An den anderen Ständen drängen sich immer mehr Menschen um die anderen Spielstationen, die Publisher wie Nintendo oder THQ für die Veranstaltung geliefert haben. Das Beige der Decken und Wände, das Grau der Stoffbahnen, die sonst die Sicht auf den Plenarsaal weiter unten verdecken, alles wird heute irgendwie von einem Weiß überstrahlt. Weiß sind die Stehtische, auf denen die Notizblöcke, Aktenmappen und Diktiergeräte liegen. Weiß sind die Weinschorlen, die von eifrigen Angestellten des Edel-Caterers Käfer durch die Reihen getragen werden. Weiß sind die engen Hosen der Hostessen, die ihre Körper vor den Bildschirmen von „Just Dance 2“ oder „Dance Central“ verrenken. Die Hersteller haben auch die Mädchen mitgebracht, eingekleidet im Weiß von Wii und Xbox 360. Ein unschuldiges Weiß ist das, als ob jemand damit etwas sagen wollte.

Risiko vs. Chance Auf einem der Ledersofas in der Mitte des Raumes sitzt Dorothee Bär, komplett in elegantem Schwarz. Die hochschwangere CSU-Abgeordnete wirkt erschöpft. All das hier ist auch ihr Werk. Ein bisschen Stolz blitzt in ihren Augen. „Die Idee kam mir durch die Lan-Partys, die in meiner Familie veranstaltet werden“, sagt Bär und schaut sich im Getümmel um. „Natürlich sehen die ein bisschen anders aus.“ Die 32-Jährige lächelt matt. Zwischen den Ständen der Herstellerfirmen drängen sich Menschen in maßgeschneiderten Anzügen, an jedem zweiten Revers blitzt eine Anstecknadel in Form einer Deutschlandfahne. Junge Abgeordnete, bärtige Videospieljournalisten, Videospiel-Promoter. Menschen über 40 scheinen hier die Ausnahme zu sein. Dorothee Bär ist mit Videospielen aufgewachsen. Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder, der heute als Informatiker und Programmierer arbeitet, hat sie eine Konsolengeneration nach der nächsten bearbeitet. „Das Ur-,Pong‘ für den Fernseher, einen C64 und einen Atari“, zählt Bär auf. Heute sitzt sie für ihre Partei unter anderem im Ausschuss des Bundestages für Medien und Kultur. Sie spielt noch immer, hauptsächlich „Pro Evolution Soccer“ auf der PS3 und Bewegungsspiele mit der Wii. „Mein Ziel ist es, den vielen Abgeordneten, die negativ über Spiele reden, mal das zu zeigen, worüber sie die ganze Zeit sprechen.“ Auf einem Bildschirm weiter links reitet Outlaw John Marston durch die Prärie von „Red Dead Redemption“, an der Spielstation daneben versammelt sich plötzlich eine aufgeregte Herde von Journalisten um eine zierliche ältere Frau, die sich eigentlich anschickt, die Veranstaltung zu verlassen. „Die nehmen wir noch mit“, raunt der junge Mann, der sie begleitet, der Frau zu. Also dreht sich Mechthild Dyckmans, FDP, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, noch einmal um, blickt in die Kameras und sagt: „Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, auch die Risiken anzusprechen. Viele der Kollegen, die jetzt hier sind und sich vergnügen, wissen nicht, dass Internetspiele auch Probleme machen können.“ Man dürfe das nicht vergessen, sie sagt es ganz ernst, dann geht sie. Bereits 2009 trafen sich Politiker schon einmal im Bayerischen Landtag zum „1. Parlamentarischen Spiele-abend“, um Erfahrungen mit Videospielen zu sammeln. Die Veranstaltung ähnelte der Bundestags-Lan, hatte aber einen aktuellen Anlass. Kurz nach dem Amoklauf von Winnenden wollten die Hersteller die Abneigung der Politiker gegenüber Videospielen abbauen. Es half wenig: Anfang dieses Jahres legte das bayrische Sozialministerium trotzdem erstmals ein Veto gegen die Entscheidung der USK ein. Das Spiel „Dead Space 2“ sollte nach Vergabe einer Alterskennzeichnung doch noch indiziert werden. Nie zuvor hatte eine Landesregierung so forsch in die Entscheidungen der Selbstkontrolle einzugreifen versucht.

Abspannung „Manchmal fühle ich mich ein bisschen wie eine Entwicklungshilfepolitikerin“, sagt die bayrische Abgeordnete Dorothee Bär müde. Das R rollt fränkisch, wenn Bär redet. Ein R, das Videospielern aus dem Duktus des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein in den Ohren klingt, wenn dieser von „Killerspielen“ sprach. Dorothee Bär benutzt dieses Wort nicht. Sie verdreht die Augen, wenn „das K-Wort“ erwähnt wird. Ihre Tochter ist viereinhalb Jahre alt. Ab und an spiele sie mit ihr „Wickie“ auf dem iPhone. Und wenn sie später Egoshooter spielen will? „Wenn es ihr gefällt, ist das ihre Entscheidung“, sagt Bär. Ihr Blick sucht den ihrer Assistentin, kurze Zeit später steht ein Glas Wasser vor der Medienpolitikerin. Über einen Bildschirm hinter ihrem Rücken flimmert der Trailer zum Egoshooter „Homefront“, angesiedelt in einem alternativen Zukunftsszenario, in dem nordkoreanische Truppen die Vereinigten Staaten besetzen. „Eigentlich hatten wir diese Veranstaltung anders geplant“, sagt Bär. „Wir wollten Teams aus jeder Fraktion bilden und dann gegeneinander spielen.“ Doch dazu hätten mehrere Abgeordnete länger bleiben und ein Spiel gemeinsam spielen müssen. In einer Sitzungswoche des Bundestages undenkbar. Trotzdem seien an diesem Abend knapp siebzig Abgeordnete gekommen, sagt Bär, darunter viele Innen- und Rechtspolitiker. Um sie herum reichen Kellnerinnen Häppchen. Es sind winzige Frikadellen in weißen Keramikschälchen, bedeckt mit einem Hauch von Senf. Auf einem Sofa nebenan lässt sich einer der Abgeordneten von einem Promoter „Homefront“ zeigen. Der Mann hält das Gamepad in der Hand, auf dem Bildschirm fährt ein Bus durch die Straßen, ein weinendes Mädchen läuft zu den Leichen seiner gerade exekutierten Eltern. „Beklemmend“, sagt der Mann leise, das Gamepad rutscht in der Hand. Sofort ist ein Kamerateam bei ihm. Drei Stunden nach Beginn der Veranstaltung sind viele Politiker wieder gegangen. Alexander Keller und seine „Counter-Strike“-Kollegen wandern mittlerweile durch die Fraktionsebene, sehen den Promoterinnen beim Tanz vor den Konsolen zu. Die Anspannung ist abgefallen, ein Kamerateam lässt mittlerweile einen Redakteur unter Gelächter gegen einen Abgeordneten antreten, andere trinken Weißweinschorle am Käfer-Tresen. Alexander wirkt ernüchtert. „Die vier bis fünf Politiker, die bei uns waren, die hatten von vornherein kein Problem mit dem Spiel“, sagt der 25-Jährige, „und oft habe ich gedacht, die lächeln sowieso nur für die Kamera.“ Gefragt nach seinem Hobby hat ihn heute Abend niemand, und dass er neben dem Wirtschafts-Psychologiestudium noch eine eigene Unternehmensberatung für Porsche-Auto-häuser betreibt, das weiß vermutlich auch keiner der Abgeordneten, die sich kurz an seinen Tisch gesetzt haben. „Das war aber trotzdem ein Ding, im Bundestag ,CS‘ zu spielen“, sagt Keller. „Beim nächsten Mal würde ich schon wieder mitmachen, wenn dann mehr gespielt und weniger fotografiert würde.“ Er blickt rüber zur „Just Dance 2“-Konsole. Dort legt die Tänzerin im blauen Pailetten-Top Wiimote und Nunchuck zur Seite. Die letzten Gäste gehen. Auf dem Buffet liegt nur noch eine Handvoll Blauschimmel-Käse-Quiche und Ziegenkäsetartes – fast wie das letzte kalte Stück in einem alten Pizza-Karton.

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von Gameradar.de / März 10th, 2011 /

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