eSports – Nische war gestern!

Was macht eSport zur Multi-Milliarden-Dollar-Industrie?

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich eSport von einer Untergrundkultur zu einer etablierten Sportart mit enormer Wirtschaftskraft entwickelt.

Denn eSport ist lukrativ: Im Jahr 2020 hat eSport weltweit fast 1 Milliarde US-Dollar umgesetzt. Rund um den Globus zog eSports mehr als 400 Millionen Zuschauer vor die Screens.
Was macht eSport so attraktiv für Spieler, Zuschauer und Sponsoren und welche Rolle spielt Deutschland dabei?

Gaming vs. eSport: Wo liegt der Unterschied?

Mit der zunehmenden Popularität von eSport und den wachsenden Umsätzen der Branche hat sich die Grenze zwischen eSport und Casual-Gaming immer weiter aufgeweicht. Dennoch gibt es Faktoren, die den Unterschied klarmachen.

Was ist Gaming?

Jedes Mal, wenn eine Person ein Videospiel spielt, ist sie theoretisch gesehen schon am „Gamen“. Das schließt alles ein – von den League-of-Legends-Meisterschaften bis hin zu Eltern, die Sudoku auf ihren Handys lösen. Gaming kann, muss aber nicht, wettbewerbsorientiert sein und umfasst alle Spielmodi von Einzelspieler bis Multiplayer.

Was ist eSport?

Du kannst Gamen, ohne eSportler zu sein, du kannst aber kein eSportler sein, ohne zu Gamen. So lässt sich der grobe Unterschied schon einmal verdeutlichen. Der Begriff „eSport“ beschreibt das amateurhafte oder professionelle, wettbewerbsorientierte Spielen von Videospielen.

eSport ist dabei wie jede andere Sportart, nur dass es eben anstelle von Basketball, Eishockey oder Fußball Videospiele wie CSGO, League of Legends, Call of Duty oder Fortnite sind, die die Spieler stundenlang beschäftigen. Alle Games sind ebenfalls mit einem eigenen Regelwerk, einem Spielfeld und einer Wettbewerbsinfrastruktur, die Spieler, Teams, Ligen, Broadcaster und das Publikum umfasst, ausgestattet. Hauptsächlich benötigen eSportler mentale Schärfe – obwohl das stundenlange Gaming auf Wettbewerbsniveau auch physische Fitness voraussetzt.

Ebenso wie bei analogen Sportarten treten auch beim eSport entweder Teams oder Einzelpersonen gegeneinander an. Dabei gibt es verschiedene Competition-Modi:

  • direkt – wie bei League of Legends
  • indirekt – wie bei Speedrun-Games

Speedrunner kämpfen gegeneinander um die beste Zeit beim Durchspielen eines Games, interagieren aber nie wirklich innerhalb eines Spiels.

Die Bedeutung der eSport-Branche international

Die eSport-Branche konnte im letzten Jahrzehnt ein enormes Wachstum verzeichnen, sowohl in Bezug auf die Zuschauerzahlen als auch auf die finanziellen Einnahmen. Im Jahr 2020 hat eSport weltweit fast die 1-Milliarde-Dollar-Marke geknackt – ca. 950 Million US-Dollar waren es ganz genau.

Erwartet werden bis zum Jahr 2023 sogar fast 1,6 Milliarden US-Dollar, ein rasantes Wachstum, das wohl auch trotz Corona-Einschränkungen und Absagen der Großveranstaltungen nicht an Fahrt verlieren wird.

Insbesondere die steigende Zuschauerzahl ist es, die hauptsächlich zum Umsatzwachstum beigetragen hat. Weltweit konnten sich 495 Millionen Zuschauer für eSport in 2020 begeistern. Das sind fast 7 % der gesamten Weltbevölkerung.

Das ist auch großen Unternehmen aufgefallen, die stark in die eSport-Szene investieren. Den größten Teil der Einnahmen machen Sponsoring und Werbung aus, der Rest stammt aus Medienrechten, Publisher-Gebühren, Merchandise- und Ticket-Umsätzen sowie Streaming-Anteilen.

Im internationalen Vergleich stellen Asien und Nordamerika gemessen am Umsatz die beiden größten eSports-Märkte dar, China macht allein fast ein Fünftel des Marktes aus.

Die eSport-Branche international

Es gibt mittlerweile keinen Zweifel mehr daran, dass eSports ein weltweites Phänomen sind. Nun bestimmen die Diskussionen eher, welches Land es schafft, konstant die weltbesten kompetitiven Gamer hervorzubringen. Nicht unwichtig dabei sind die immensen Preisgelder. USA, China und Südkorea bilden mit Abstand die Spitze der Preisgelder weltweit. Platz 4 und 5 gehen nach Europa, mit ca. 40 Million USD an Preisgeldern, bieten Schweden und Dänemark sich ein Kopf an Kopf Rennen. Deutschland mit fast 30 Millionen USD ist im internationalen Vergleich noch unter den Top 10 auf Platz 9.

Fun Facts – eSport

eSport: 1, Super Bowl: 0
Die League of Legends World Championship Grand Finals in 2019 hatten mehr Zuschauer als der Super Bowl (+ 100 Millionen).

Erste Turnier 1980
Das erste offizielle eSport-Turnier veranstaltete Atari 1980. 10.000 Jugendliche spielten um den Highscore beim Arcade Game Space Invaders.

The Silver Snipers – älteste Pro-Team der Welt
Dieses Counter-Strike-Team besteht aus fünf Senioren im Alter zwischen 64 und 76 Jahren. Die aus Schweden stammenden Silver Snipers haben bereits den Seniors World Cup gewonnen.

Deutschland im Spielerprofil

Tausendfach gehört, immer noch aktuell: Digitalisierung geht in Deutschland nur schleppend voran. Sei es Telemedizin, Netzausbau oder flächendeckendes Home Office. Deutschland, deine bürokratischen Hürden. Die hohe Relevanz von eSport übt Druck auf die Politik aus, Spieler*innen die nötige Infrastruktur zu liefern, um international wettbewerbsfähig und erfolgreich zu sein. Zwar ist sich der Bund der Existenz und Wichtigkeit des eSports bewusst, jedoch fehlt es an den notwendigen Maßnahmen. Vereine und Experten fordern mehr Unterstützung.

Und das, obwohl eSport längst kein Schattendasein mehr fristet: 16 % der Deutschen (13 Millionen) haben sich einmal ein eSport Turnier angeschaut. Des Weiteren gibt es eine Vielzahl an Profispielern, Vereinen und privaten Sponsoren. Sogar Fußballvereine wie Schalke 04 haben inzwischen eigene eSports-Teams. 10.000 Euro Festgehalt im Monat warten hier auf Profi FIFA -Spieler. Nebst wachsender Präsenz in den Fußball Vereinen sind auch einzelne Spieler sehr erfolgreich weltweit. Bester Spieler nach Preisgeld aus Deutschland ist Kuro (KuroKy) Takhasomi. Mit dem Spiel Dota 2 konnte er bislang über 5 Millionen US-Dollar verdienen. Wie es sonst um Deutschland in der eSports Branche steht, verrät Ihnen die folgende Grafik.

Pro-eSportler weltweit – wer sind sie und was verdienen sie?

Was für viele Gamer bei LAN-Partys in den heimischen Kellern und Computerräumen dieser Welt angefangen hat, spielt sich heutzutage bei einigen wenigen in riesigen Hallen ab, die mit Tausenden Zuschauern gefüllt sind. Tagtäglich trainieren sie mehrere Stunden, um ihre Technik zu verfeinern und die eigenen und fremden Rekorde zu liquidieren. Denn ein Ziel haben die Pro-eSportler gemeinsam: der Sieg im Showdown mit den Rivalen.

Wer sind die Genies der eSport-Szene? Woher kommen sie und wie hoch fällt ihr Gehalt aus?

Top 6 der männlichen Pro-Gamer der Spiele nach gesamter Preisgeldhöhe

Woher kommen die hohen Summen?

Wettkämpfe sind das Herz von eSports, ähnlich wie beim traditionellen Sport. Es gibt unzählige lokale Turniere, die nicht das große Geld bringen. Sie sind dazu gedacht, die Spielerbasis zu sichten und aufstrebende Talente zu entdecken.

Falls noch Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, dass in eSports wirklich Cash steckt, sollte eine Auflistung der bisher größten Preisgelder (nach Spiel) wirklich die letzten Zweifel ausräumen. Und diese Preisgelder wachsen von Jahr zu Jahr. „The International 9“ im Jahr 2019 hat mit einem Preisgeld von 34,4 US-Dollar alle bisherigen Rekorde geknackt. Doch ein Rekord besteht nur so lange, bis er gebrochen wird – und das passiert im eSport ständig.

eSportlerinnen – So steht es um Frauen in der eSport-Szene

Obwohl Frauen etwa 30 % des Publikums ausmachen und einen schnell wachsenden Anteil an Gamern darstellen, sind sie bei den größten und lukrativsten Wettbewerben stark unterrepräsentiert. Nicht eine einzige weibliche Teilnehmerin schaffte es unter die 100 Finalisten, die beim Fortnite World Cup 2019 um 30 Millionen Dollar Preisgeld kämpften.

Laut dem Game Branchenverband gibt es aktuell über 34 Millionen Gamer in Deutschland, 47 % davon weiblich. Trotzdem fehlt es an den notwendigen Maßnahmen, um Frauen national und international einen Platz im professionellen eSports zu eröffnen.

„Dem E-Sport fehlen die Frauen“— Lara Keilbart, GQ

Top 6 der erfolgreichsten eSportlerinnen nach Spielen

Toxische Kultur in eSports: Frauen für viele nur Beiwerk

Es ist kein Geheimnis, dass die Gaming- bzw. eSports-Szene weitestgehend von Männern dominiert wird. Die Videospiel-Community hat noch einen langen Weg vor sich, was die Integration und den Umgang mit weiblichen Spielern angeht. Tatsache ist: Frauen haben es in der Community nicht leicht. Sexistische Äußerungen und Drohungen sind keine Seltenheit. Selbst Talent und Erfolg schützen Frauen nicht vor Belästigung. Professionelle eSportlerinnen bzw. weibliche Amateur-Gamer schildern häufig, dass sie sich von ihren männlichen Mitspielern nicht respektiert fühlen. Jede Frau im eSport wird früher oder später mit Belästigungen konfrontiert, sei es von Fans, Gegnern oder sogar Teamkollegen.

63 % der britischen Gamerinnen gaben an, schon Opfer von online Belästigung gewesen zu sein. Unter den Hauptgründen sind Beschimpfungen (51 %), Senden von unangemessenen Nachrichten (40 %), sexueller Belästigung (32 %) und sogar 10 % drohen mit Vergewaltigung.

Das Resultat: um sich zu schützen verschweigen 32 % der Frauen ihre weibliche Identität und sogar 11 % hören komplett auf zu spielen, vor Angst im Internet von Männern belästigt zu werden. Die Zahlen stammen aus einer britischen Studie, Frauen machen aber weltweit solche Erfahrungen – auch in Deutschland.

Wie auch in Sportarten wie Fußball oder Basketball ist der Geschlechtsunterschied gewaltig. Ob hinsichtlich Gehalt, Karriere-Möglichkeiten, Förderungen, sicherer Infrastruktur – Frauen müssen auch im eSport aktuell zurückstecken.

Der Mangel an Förderung oder Anerkennung für Frauen hat zu Idee geführt, reine Frauenturniere zu veranstalten. Diese haben in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Das GIRL GAMER eSports Festival findet seit 2017 statt und bietet hochkarätige Turniere in vielen verschiedenen Games. Auch große eSports-Turniere wie die Melbourne Open bieten mittlerweile Events nur für Frauen an.

Reine Frauenturniere bleiben jedoch ein strittiges Thema, da sie die Ursache des Problems nicht angehen und nicht wirklich zu dessen Lösung beitragen. Allerdings bieten sie vielen Mädchen und Frauen einen realen Safe Space, in dem sie sich frei entfalten und sicher fühlen können. Vor toxischen Online-Multiplayer-Games schützen diese Turniere jedoch nicht, denn sie sind nur ein kleiner Ausschnitt der Gaming-Szene. Damit sind weiterhin Unternehmen, Eventorganisatoren und die gesamte Gaming-Community aufgerufen sich dem Thema Belästigung gegenüber Frauen zu beschäftigen und vorzugehen. Denn bestehende Maßnahmen sind nicht genug, müssen ausgebaut und der Masse.

Traumberuf eSportler – wie realistisch ist es?

E-Sport wird immer populärer und im Zuge dessen professioneller. „Profi-Zocker“ – entgegen der Vorstellungen der älteren Generation – ist heute ein richtiger Beruf und kann weit mehr als lediglich die Kosten für den Lebensunterhalt finanzieren. Das macht eine Karriere im eSports besonders attraktiv für junge Gamer. 28 Prozent der 16- bis 24-Jährigen könnten sich nach aktuellen Befragungen eine Karriere als eSportler vorstellen. Voraussetzung: Die Schul- oder Berufslaufbahn kann parallel weiterverfolgt werden. Auch für Schulabgänger (25 – 34 Jährigen) ist die Karriere als eSportler attraktiv. Jeder Vierte sieht eSports als erstrebenswerte Karrierelaufbahn an. Logisch, denn 21 % schauen zu den Pro-Gamern auf und sehen sie als Vorbilder.

Wie schwierig ist es, Pro-Gamer zu werden?

Die Chancen, ein Profi-Gamer zu werden, sind leider ziemlich gering (0,00008 %), denn eSports sind kein einfaches Geschäft. Generell ist es wichtig, aus den richtigen Beweggründen den Profi-Status erreichen zu wollen. Geld sollte dabei eher eine untergeordnete Rolle spielen, nachhaltiger sind folgende Punkte:

  • Freude am Spielen
  • Teamspirit
  • Reiz des Wettbewerbs
  • Durchhaltevermögen
  • Talent
  • Fleiß
  • Wille

Gelegenheitsspieler bringen es nicht weit. Was einen professionellen Gamer von einem Hobbyspieler unterscheidet, ist die Zeit, die mit einem Game verbracht wird. Maps, Runs und Level müssen erfolgshungrige Gamer immer und immer wieder durchspielen, um sich schließlich als eSportler zeichnen zu können. Denn, um diesen Status zu erreichen, muss man der Schnellste und Beste sein. Wie bei allen kompetitiven Spielen und Sportarten ist eine enorme Anzahl an Übungsstunden nötig, um Reflexe, Skilllevel und Technik in Topform zu halten und sich ständig zu verbessern.

Streaming-Plattformen & eSport

Wer sich ein wenig mit Gaming beschäftigt kommt um den Namen „Twitch“ nicht herum. Es ist die Plattform zum Sehen und Gesehen werden. Weltweit wetteifern Gamer auf Twitch um unglaubliche Rekorde – mit bis zu 600.000 Zuschauern und Streaming-Stunden in Milliardenhöhe. Jeden Monat wartet die Streaming-Plattform mit neuen internen Rekorden auf. Ob Zuschauerzahlen, Streamerzahlen oder der Anzahl der Channel – Twitch ist die absolute Nummer eins.

Warum sind Streaming-Plattformen für eSport so wichtig?

Die COVID-19-Pandemie hat die Welt der Events zum Stillstand kommen lassen. Während im Sport die Teilnehmer- und Zuschauerzahlen stark zurückgegangen sind, hat sich das Wachstum von eSports und Gaming beschleunigt und einen enormen Anstieg hinsichtlich Spieler- und Zuschauerzahlen zu verzeichnen. Gaming-Live-Stream-Zuschauerzahlen sind im Vergleich zu 2019 um 35 % gestiegen. Mehr als 50 % aller Gaming-Inhalte werden auf Twitch angesehen – mit einem Zuschaueranstieg von 15 % verglichen mit 2019.

Es liegt auf der Hand warum: Mehr Zeit und die ohnehin digitale Natur ermöglichen es Zuschauern und Event-Betreibern, die eSport-Events auf Streaming Plattformen wie Twitch und YouTube zu verlegen. Einige eSport-Turniere konnten so trotz Pandemie stattfinden. eSports-Fans können dank der Digitalität des Gamings weiterhin mit ihren Teams und Idolen mitfiebern und mit anderen Spielern wetteifern. Einige Esports-Turniere bieten auch Wetten an und zahlen einen Casino Bonus bei Erstanmeldung an.

Aber auch schon vor der Pandemie waren Streaming-Plattformen, Wettanbieter und eSports eng miteinander verbunden. Mit fast 350 Millionen Zuschauerstunden und 3,5 Millionen individuellen Zuschauern war League of Legends 2019 das meistgesehene eSport-Spiel auf Streaming-Plattformen wie Twitch und YouTube.

Die folgende Rangliste enthält die Top-Spiele auf Twitch nach der Gesamtzahl der gesehenen Stunden – inklusive der gesehenen eSport-Stunden heruntergebrochen für jedes Game.

Meistgesehene eSport Spiele auf Twitch

Das Twitch-Gambit – Wie Schach Twitch erobert

Eines der am schnellsten wachsenden Spiele auf Twitch ist gleichzeitig eines der ältesten – Schach. 2020 hat sich das Brettspiel zu einer festen Größe auf der Streaming-Plattform gemausert. Zu verdanken hat Schach seinen Fame vordergründig der erfolgreichen Netflix-Serie „The Queens Gambit“. Beliebte Streamer haben das Spiel daraufhin aufgegriffen und auch namhafte Schachgroßmeister wurden Twitch-Member. So schossen die Zuschauerzahlen unentwegt in die Höhe. Es bleibt abzuwarten, ob der Trend auch noch 2021 weiter anhalten wird.

Vor Veröffentlichung von „The Queens Gambit“ am 23. Oktober 2020 betrug die Gesamtzahl der angesehenen Streaming-Stunden der Schach-Kategorie auf Twitch 776.900. Anfang November wuchs die Zahl auf über eine Millionen Stunden. Bereits einen Monat später kratzt die Zuschauer-Streaming-Zahl an den drei Millionen.

Zuschauerdynamik der Kategorie Schach auf Twitch

von Volker / April 2nd, 2021 /

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