Vorzeichen

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Die grafische Grundlage jedes Videospiels ist die Konzeptzeichnung. Als Spieler kriegt man diese "Concept-Art" jedoch nur selten zu sehen. Die Ausstellung "Into The Pixel" zeigt die schönsten Werke einer verborgenen Kunstform

Die Ausstellung "Into The Pixel"

Bereits im fünften Jahr in Folge hat eine Expertenjury aus eingereichten Concept-Artworks die 16 schönsten Bilder ausgewählt und auf eine Reise rund um den Erdball geschickt. Organisiert wird die einzige Wanderausstellung dieser Art vom Los Angeles County Museum of Art, der Academy of Interactive Arts and Sciences und der Entertainment Software Association, dem Dachverband der amerikanischen Videospielindustrie. Dieses Jahr waren die Konzeptzeichnungen auf der Games Convention in Leipzig zu Gast. Wer sie verpasst hat, kann sich die Werkegalerie und die Gewinner der vergangenen vier Jahre auf der Website von "Into The Pixel" ansehen. www.intothepixel.com

"Emotionen"

Der Präsident der Academy of Interactive Arts and Sciences, Joseph Olin, ist einer der Organisatoren von "Into The Pixel". Im Gespräch verriet er uns das Geheimnis guter Videospiel-Konzeptkunst. Seit fünf Jahren bestimmt eine wechselnde Jury, welche Werke im Rahmen der Ausstellung "Into The Pixel" gezeigt werden. Wie funktioniert das Auswahlverfahren? Künstler reichen ihre Werke ein, und wir erstellen eine Website, auf der sich die Jurymitglieder die Bilder ansehen. Wir schreiben nur den Titel dazu, nicht aber, von wem das Bild stammt oder für welches Spiel es als Vorlage diente. Uns ist es wichtig, dass die Jury, die sich aus Vertretern der Videospielindus-trie, Künstlern und Kuratoren zusammensetzt, jedes Bild als eigenständiges Kunstwerk wahrnimmt. Woran erkennt man gute Concept-Art? Daran, dass es dem Künstler gelingt, in wenigen Bildern oder manchmal auch nur in einem einzigen Bild die Emotionen und Stimmungen zum Ausdruck zu bringen, die das fertige Spiel hervorrufen soll. Ist ein Concept-Artist auch direkt am Erstellen der Spielgrafik beteiligt? Meistens nicht. In der Regel besteht eine strikte Arbeitsteilung zwischen Concept-Artist und Production-Artist. Gute Concept-Artists sind in der Regel auch so sehr gefragt, dass sie gar keine Zeit dafür hätten, auch noch an der fertigen Spielgrafik, den 3D-Modellen und Leveln zu arbeiten. Welche Techniken kommen beim Erstellen von Konzeptgrafiken zum Einsatz? Oft zeichnen und kolorieren die Künstler direkt am Rechner und verwenden dabei Software wie Photoshop. Manche benutzen auch "analoge" Materialen und Techniken oder bearbeiten mit Stift und Pinsel zu Papier gebrachte Bilder nachträglich am Rechner. Das Witzige ist: Die Museumskuratoren in der Jury haben oft Schwierigkeiten, den Unterschied zu erkennen. Solange etwas nicht handgemacht aussieht, scheinen wir uns zu sträuben, es als Kunst zu klassifizieren. Woran liegt es, dass wir von Concept-Art - also Kunst - sprechen, in Bezug auf fertige Spiele aber von Grafik? Das hat seine Ursache in der Tradition der Videospiele. Es ist noch nicht lange her, da war das handgezeichnete Bild auf der Verpackung das Kunstvollste an einem Spiel, während die Grafik aus wenigen Pixeln bestand. Viele spielten sich gut, sahen aber nicht gerade gut aus. Dank fortgeschrittener Technologien hat sich da in den vergangenen zehn Jahren viel getan. Die Erwartung der Zuschauer an die künstlerische Qualität eines Spiels ist gestiegen. Gamer wären von einem Spiel wie "Uncharted: Drake's Fortune" sicherlich nicht so begeistert, wenn es nicht so wunderschön anzuschauen wäre.
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von Volker Hansch / November 10th, 2008 /

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