Brettern

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Videogame-Merchandising gibt es wie Sand am Meer. Wie wäre es statt viel zu großen T-Shirts oder Staub fangenden Plastikfiguren mal mit dem Brettspiel zum Lieblingsgame? GEE hat sich mit Chipstüten und Cola eingeschlossen und fünf Adaptionen probegespielt

Doom – Das Brettspiel

Hersteller Fantasy Flight Games, Heidelberger Spieleverlag Erscheinungsjahr 2005 Preis 48 Euro Spieleranzahl 2-4 Spieldauer 2-4 Stunden Gameplay: Ein Spieler jagt die anderen mit seinen Aliens durch eine Marsstation. Die Marines halten mit Kettensägen oder der Big Fucking Gun dagegen. Klingt simpel? Mitnichten: Allein das Durchackern der Anleitung dauert Stunden. Dafür sind die taktischen Möglichkeiten später unglaublich ausgefeilt. Grafik: Der helle Wahnsinn: Ganze 445 unterschiedliche Spielmaterialien finden sich in der Verpackung. Vor allem die Plastikrepliken der Imps, Hell Knights und Cyber Demons lassen das Herz eines jeden "Doom"-Liebhabers höher schlagen. Gelungen: Der Spielplan entblättert seine Geheimnisse erst dann, wenn die Marines die einzelnen Bereiche tatsächlich betreten. Spielspaß: Es ist bizarr, aus einem simplen 3D-Shooter ein derart komplexes Spiel zu zimmern. Das aber auf seine eigene Art das Vorbild exzellent umsetzt. Alle, die schon "Die Siedler von Catan" für komplex halten, steigen allerdings auf sicher aus. Zartbesaitete seien gewarnt: Aufgrund der immensen Brutalität halten manche "Doom" für ein Killerbrettspiel.

Pac-Man

Hersteller Milton Bradley Erscheinungsjahr 1982 Preis gebraucht Spieleranzahl 2-4 Spieldauer 10 Minuten Gameplay: Bis zu vier Spieler treten als "Pac-Man" gegeneinander an. Jede Runde werden zwei Würfel geworfen. Die Augenzahl des einen bewegt Pac-Man, die des anderen die Gespenster. Wer die meisten Pillen mampft, ohne von einem Gespenst verspeist zu werden, gewinnt. Das Fressen einer gelben Kugel befördert Inky und Blinky in ihr Kabuff zurück. Grafik: Bravo: Das Brettspiel gleicht dem Automatenvorbild ästhetisch wie ein Ei dem anderen. Schade, dass ausgerechnet die Pac-Men selbst mit ihren aufgeklebten Augen und Haifisch-Mäulern etwas verkrüppelt aussehen. Letztere ermöglichen es zumindest, die Plastikkugeln durch Drüberlaufen in den Rachen des Pillenfressers zu befördern. Spielspaß: Durch den authentischen Look ist das "Pac-Man"-Brettspiel ein echter Hingucker. Dabei bleibt es leider auch, denn das Gameplay entfaltet in etwa so viel Komplexität wie "Schlangen und Leitern". Ein weiterer Malus: Das Aufbauen des Spielplans dauert fast genauso lang wie die eigentliche Action.

World Of Warcraft – Das Brettspiel

Hersteller Fantasy Flight Games, Heidelberger Spieleverlag Erscheinungsjahr 2005 Preis 80 Euro Spieleranzahl 2-6 Spieldauer 2-8 Stunden Gameplay: Eine Hälfte der Spieler wählt die Horde, die andere schlägt sich auf die Seite der Allianz. Dann geht’s los wie im Vorbild: Monster plätten, Charaktere aufleveln, sich neue Talente zulegen, damit noch mehr Feinde geplättet werden können. Nur dass man Plastikmonster metzelt und die Kämpfe endlos ausgewürfelt werden. Irgend-wann treffen sich Horde und Allianz dann zum Showdown. Grafik: Die Ausstattung als opulent zu bezeichnen, wäre glatt untertrieben: Wer das Spiel mit all seinen Materialien aufbauen will, benötigt einen Familien-Esstisch in voller Ausbaustufe. Beim Hocken auf dem Boden sind in achtstündigen Mammut-Sessions Bandscheibenprobleme vorprogrammiert. Spielspass: Da gefühlte tausend Regeln erlernt werden müssen, stellt sich die erste Sitzung als zäh heraus. Aber danach birgt das Spielprinzip ein enormes Suchtpotenzial. "World Of Warcraft"-Online-Veteranen zeigen sich begeistert, ihren Mitspielern endlich in die Augen sehen zu können.

Frogger

Hersteller Milton Bradley Erscheinungsjahr 1982 Preis gebraucht Spieleranzahl 2 Spieldauer 15 Minuten Gameplay: Obwohl "Frogger" für die Altersgruppe von sieben bis 14 Jahren empfohlen wird, war selbst der Akademiker in der Probespielgruppe nicht in der Lage, die Regeln einwandfrei zu verstehen. Als halbwegs gesichert gilt: Zwei Spieler versuchen, als erster ihre drei Frösche über eine Straße und einen Fluss in den Sumpf des Gegners zu manövrieren. Bei besonderen Würfelergebnissen dürfen die Frösche mit dem Auto oder schwimmenden Baumstämmen zerquetscht werden. Zumindest glauben wir das. Grafik: Spielplan und –figuren verbleiben relativ detailarm und hässlich. Aber das war das Spielhallen-Vorbild von 1981 auch. Spielspass: Die Verpackung suggeriert eine schnelle Runde für zwischendurch. Aber bei diesen Spielregeln werden allein Autisten exzellent unterhalten.

Tomb Raider – The Angel Of Darkness

Hersteller Identity Games Erscheinungsjahr 2003 Preis 30 Euro Spieleranzahl 2-4 Spieldauer 45 Minuten Gameplay: Lara Croft kabbelt sich mit Schurken in einem Museum um Gegenstände. Wer die meisten davon nach draußen schafft, gewinnt. Das Gebäude wird dabei jedes Mal neu aus Papptäfelchen zusammengelegt. Durch Ausspielen von Karten greift man zur Waffe oder versperrt anderen durch das Verschieben von Wänden den Weg. Knalleffekt: Am Ende geht das Museum hoch, und der Spielplan wird Reihe für Reihe dem Erboden gleich gemacht. Grafik: "Angel Of Darkness" hat optisch so viel mit einem Videogame gemein wie das Brettspiel "Carcassonne" mit der gleichnamigen Stadt in Frankreich. Warum die ohnehin ziemlich behämmert aussehende Spielfigur von Lara nachts im Museum eine Sonnenbrille trägt, bleibt zudem, äh, ziemlich im Dunklen. Spielspaß: Das Brettspiel macht mehr Laune als die Vorlage. Kein Kunststück: Schließlich gilt "Angel Of Darkness" als Tiefpunkt der Serie. Leider ist der "Tomb Raider"-Faktor gering: Wo bleiben Gräber, archäologische Schätze oder Kletterpartien? Text: Heiko Gogolin, Fotos: Tim Kubach
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von Volker Hansch / März 10th, 2007 / 2 Kommentare

2 Kommentare

  1. SiedlerFan sagt:

    Nette Artikel über Die Siedler. :)

  2. weidi sagt:

    Naja, einmal das WOW Brettspiel gespielt. Alleine das Aufbauen hat 1,5 Stunden gedauert.
    Danach waren wir schon so bedient, dass keiner mehr die unverständliche Anleitung durchackern wollte.
    Auch wenn es von den Regeln das zweite mal besser laufen könnte, wird es sich keiner mehr antun 1 Stunde das Brett aufzubauen. zu episch das Ganze