Enslaved

Enslaved

Ninja Theory entführt Spieler mit „Enslaved” in eine Welt, in der die Natur den Lebensraum Stadt zurück erobert hat. Zwischen Ruinen und Mammutbäumen verliert man hier vor lauter Schönheit sein Herz an die Wildnis.
Xbox 360, PS3 | Getestet Xbox 360 | Entwickler Ninja Theory | Publisher Namco Bandai | Termin 8. Oktober 2010 | Preis 60 Euro | USK 16 | Spieler 1
„Heavenly Sword“, der Debüttitel von Ninja Theory, war ein schönes Spiel, aber öde. „Enslaved“ ist ein noch schöneres Spiel – und auch wenn sich dessen Spielwelt wie bei „Heavenly Sword“ hin und wieder zur Nahkampfarena zusammenzieht: Eintönig ist es nicht. Worum geht’s? Mal wieder: eine ferne Zukunft nach einem Krieg, einer Katastrophe, einem Alienangriff … Genaueres weiß man nicht. Die Überlebenden werden von Robotern gejagt und in Raumschiffen als Sklaven verschleppt. Wohin? Auch das weiß man nicht. Zwei Gefangenen an Bord eines Sklavenschiffs gelingt jedoch die Flucht. Er: der Einzelgänger Monkey, der seinen Namen den Kletterkünsten verdankt, die ihn große Höhen spielend erklimmen lassen. Sie: eine junge Computerhackerin namens Trip. Mithilfe eines umprogrammierten Sklavenstirnbands, das sie Monkey während seiner Bewusstlosigkeit nach dem Absturz des Raumschiffs aufgesetzt hat, bringt Trip den Muskelberg dazu, sie auf ihrem Weg gen Westen zu begleiten. Sollte Trip etwas zustoßen, würde das – aufgrund der durch das Stirnband geknüpften mentalen Verbindung – auch für Monkey den Tod bedeuten. Mit derart gewecktem Beschützerinstinkt lenkt der Spieler den Hünen an der Seite der Hackerin durch die Ruinen von New York und über riesige Roboterschrottplätze. Angriffe von Mechs pariert er durch Schlagkombinationen mit seinem elektrischen Kampfstab. Um bruchreife Brücken und andere Hindernisse zu überwinden, müssen Monkey und Trip häufig zusammen­arbeiten: Dann hangelt er sich an der Architektur entlang, während sie woanders Schalter umlegt und sich in Terminals hackt. Besonders viel Spaß macht es, Monkey auf seinem „Cloud“ – einem Luftkissenskateboard – mit Roboterhunden um die Wette flitzen zu lassen. Wie sieht’s aus? Die von der Natur zurückeroberten Stadtlandschaften erinnern an die Gemälde des Surrealisten Max Ernst (1891 bis 1976): Zerbrochene Formen scheinen zu neuen zusammenzuwachsen, Signalfarben setzen in einer von Erdtönen und saftigem Grün geprägten Umgebung Akzente. An jeder fein gemusterten Kachel, die ein Gebäude verziert, an jeder Kameraeinstellung, die aus schiefem Winkel die Spielwelt ins Bild setzt, lässt sich der Stilwille der Künstler von Ninja Theory ablesen. Weder ein Highscore noch das erreichte Missionsziel sind die Belohnung fürs Vorankommen, sondern der Anblick einer Welt von unwirklicher Schönheit. Was uns begeistert Für „Enslaved“ konnten die Entwickler den engli­schen Schauspieler Andy Serkis (Gollum aus „Der Herr der Ringe“) gewinnen, der bereits in „Heavenly Sword“ den bösen König Bohan gab. Seine Stimme und seine Körpersprache geben Monkey Präsenz. Aber auch Lindsey Shaw („Aliens In America“) überzeugt in der Originalfassung als Stimme von Trip. Wenn sie Monkey Befehle gibt, schwingt immer auch ein wenig Zweifel mit. Droht Monkey in einen Abgrund zu stürzen oder gerät sie selbst in Lebensgefahr, überschlägt sich ihre Stimme vor Angst. Schade nur, dass sich das Paar nicht häufiger auf einen verbalen Schlagabtausch einlässt. Fazit „Enslaved“ ist Kunst um der Kunst willen. An dieser wie dahingemalt wirkenden Spielwelt kann man sich einfach nicht satt sehen. Für Freunde von „Beyond Good & Evil“, „Prince Of Persia“, „Ico“ [nggallery id=42]
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von Christian Neeb / Oktober 8th, 2010 /

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